Als „Anonymous“ mal was recherchieren wollte

Neulich berichteten wir darüber, dass die Fake-Hacker von „Anonymous“ einen großen Coup gelandet haben wollen: Sie „leakten“ mit Getöse ein Dokument. Das sollte beweisen, dass die Terrororganisation ISIS vom CIA gegründet wurde. Auf der Plattform VKontakte hatte jemand eine knifflige Frage zu dem 100-seitigen PDF:

anonymous_vk_1

Da hat sich also jemand tatsächlich das Ding heruntergeladen und geöffnet und angeschaut. Dabei ist sie augenscheinlich auf diese zahlreichen geweißten, sprich von der DIA zensierten, Stellen im Dokument gestoßen – ungefähr drei Viertel des PDFs sehen nämlich so aus:

dia_1

Oder so:

dia_2

Oder auch so:

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Diese weißen Felder sind gekennzeichnet mit: 50 U.S.C. § 3024 (i), 10 U.S.C. §424 oder auch 5 U.S.C. $552 (b)(1) – an dieser Stelle wiederholen wir noch einmal die Frage auf VKontakte:

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Tja, woher soll „Anonymous“ das denn bitte wissen – dafür hätten sie ja die allererste Seite des PDFs lesen müssen, das sie angeblich studiert haben und woraus sie ja ableiten, „dass der Islamische Staat eine Kreatur des US-Auslands-Geheimdienstes CIA ist und es von Anfang der Plan Washingtons war den demokratisch gewählten Präsidenten Assad in Syrien zu stürzen.“

Denn auf Seite 1 steht doch tatsächlich, was diese Paragraphen bedeuten:

seite_1_dia-document

Da schreibt ein Paul J. Jacobsmeyer, dass einige Informationen des Dokuments der Geheimhaltung unterliegen. Zum Beispiel werden Geheimdienstquellen nicht genannt (50 U.S.C. § 3024 (i)) oder Stellen nicht veröffentlicht, die Geheimdienstmethoden offenbaren würden (5 U.S.C. § 552 (b) (1), Sections 1.4 (c)). Das U.S.C. ist übrigens der United States Code, die Sammlung des Bundesrechts der Vereinigten Staaten.

Wir können also einfach mal festhalten: Offenkundig hat „Anonymous“ den Bericht nicht gelesen.

 

COMPACT berichtet über den SPIEGEL, vergisst aber zu recherchieren
Super gemacht: "Anonymous" "leakt" Dokument, das seit sechs Monaten verfügbar ist

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