Treffen Sie die Frauen, die Erdogans Sohn zum ISIS-Gründer machten

3. Dezember 2015

Das ist mal echt eine Meldung, die die Netzfrauen da gestern ziemlich exklusiv raushauten:

netzfrauen_bilal_erdogan

Der Sohn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Terrormiliz ISIS gegründet! Das kann man hier angeblich alles nachlesen (Nachtrag: inzwischen steht da was anderes, siehe unten). Und die Systempresse berichtet mal wieder nicht.

Weil diese Meldung absolut hieb- und stichfest ist, haben die Kollegen von Epoch Times – eine dieser in Pegida- und AfD-Kreisen immer beliebter werdenden Vertreter der Wahrheitspresse – die Geschichte recherchefrei gleich komplett übernommen:

epochtimes_bilal_erdogan

(Das falsch geschriebene Wort „Recherche“ ignorieren wir großzügig.)

Ja, nun ist doch alles klar. Bilal Erdogan, Unternehmer und durchaus zwielichtige Gestalt, macht nicht nur Geschäfte mit dem Islamischen Staat – nein, er hat ihn gleich gegründet!

Die langatmige Story der Netzfrauen bezieht sich auf einen Artikel aus dem englischsprachigen Raum, der miserabel von den Autorinnen übersetzt wurde. Schauen wir doch mal, wie die Ursprungsgeschichte aussieht:

zerohedge_bilal_erdogan

Was müssen die Autorinnen von netzfrauen.org hyperventiliert haben, als sie den Artikel auf Zero Hedge entdeckten. Mit jämmerlichen Englischkenntnissen kann man den Eindruck bekommen, dort stünde tatsächlich, Bilal Erdogan sei der Gründer des sogenannten Islamischen Staates.

Zur Sicherheit gucken wir besser nochmal genau hin, bevor wir hier etwas Falsches behaupten. Da steht also: Meet The Man Who Funds ISIS: Bilal Erdogan, The Son Of Turkey’s President. Es ist eigentlich zu peinlich, darauf hinzuweisen, aber das englische Verb „to fund“ bedeutet so was wie „etwas unterstützen“, „finanzieren“, „fördern“. Die Übersetzerin, Patricia Kölb-Schur, hat also die Wörtchen „to found“ (etwas gründen) und „to fund“ verwechselt. Das ist schon die ganze Geschichte hinter dieser Geschichte, die gerade durchs Netz geht.

Nachtrag: Inzwischen heißt der Artikel bei Epoch Times „Öl-Schmuggel des IS: So ist Erdogans Sohn darin verstrickt“. Selbstverständlich wurden die Leser aber nicht über die Änderung aufgeklärt. Bei den Netzfrauen heißt es nach wie vor „Treffen Sie den Mann, der ISIS gründete“.

Nachtrag II: Jetzt gibt es auch eine Reaktion der Netzfrauen. In einer kurzen Mail wird uns mitgeteilt, sie hätten ihre Anwälte eingeschaltet – warum, wird nicht ganz klar. Auf jeden Fall müssen wir nun mit einer Klage rechnen, so ist die Nachricht wohl zu verstehen. Wir gehen davon aus, dass netzfrauen.org den Artikel inkl. glasklarem Übersetzungsfehler so belassen werden und damit dafür sorgen, dass Ihre Leser glauben, Bilal Erdogan wäre der Gründer des Islamischen Staates.

Nachtrag III: Mist, jetzt wurden wir von den Netzfrauen auf Facebook scheinbar geblockt.

Nachtrag IV: Nach einem, sagen wir mal, unnötigen Mailaustausch zwischen uns und der Obernetzfrau, in dem uns zunächst mitgeteilt wurde, ihre Anwälte wären schon mehr oder weniger auf den Weg zu uns, wurde der Eintrag auf netzfrauen.org nun (vermutlich am Samstag, 5.12.) endlich korrigiert:

netzfrauen_korr_bilal

Leider wurde vergessen, den Vorgang einigermaßen transparent zu machen. Wir gehen aber davon aus, dass das noch nachgeholt wird, schließlich wollen die Netzfrauen eine vertrauenswürdige, meinungsbildende Quelle sein.

Super gemacht: "Anonymous" "leakt" Dokument, das seit sechs Monaten verfügbar ist

Ein Kommentar

  1. Warum die Netzfrauen nichts Erotisches an sich haben? Sie sind faktenresistent und ideologiegetränkt! Da erstarrt jede Kneifzange zur Salzsäule!
    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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